Jürgen Schampel / Juli 2002 - 2006

NEUE ARBEIT – FÜR MILLIONEN?

Methodische und technologische Verbesserungen der Produktivität setzen zwangsläufig Arbeitskräfte frei. Die Hauptfrage ist: Gibt es neue Tätigkeitsfelder, die allen frei gewordenen Arbeitskräften neue Erwerbsmöglichkeiten eröffnen?

Oder benötigen wir einen neuen Konsens über Arbeitsteilung und gesellschaftlichen Wohlstand – zum Beispiel nach dem Motto: „Weniger Arbeit für Alle, damit keiner wegen Produktivitätssteigerungen aus dem Erwerbssystem herausfällt"?.

Die hier per Mausklick abrufbaren Antworten gehen auf Ergebnisse meiner seit 1990 schrittweise erstellten Analysen zu Marktentwicklungen und Produktionsveränderungen zurück, die im Februar 1999 in der Studie Nachhaltige Beschäftigungspolitik? zusammengefasst wurden. Im Arbeitskreis „Beschäftigungspolitik / Globalisierung“ des SPD-Wirtschaftsforum München hatte ich seit 1997 viele Gelegenheiten gefunden, meine Analysen als parteiloser Teilnehmer kontrovers zu erörtern und meinen Betrachtungshorizont zu erweitern. Im August 1999 erschien eine gekürzte Fassung unter demselben Titel als Diskussionsbeitrag im Abschlußbericht des SPD-Arbeitskreises „Arbeit für Alle?“ Im Dezember 1999 wurden die Ergebnisse auf einer Veranstaltung des Münchner Wirtschaftsforums in Thesen vorgestellt und mit den eingeladenen Gästen diskutiert.

Meine Diagnosen und Prognosen wurden damals mehrheitlich als zu pessimistisch bewertet. Nicht wahrnehmen wollend, in welche Situation der deutsche Binnenmarkt spätestens seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts geraten war und in völliger Überschätzung der positiven Rückwirkungen weiter wachsender Exporterfolge auf den deutschen Binnenmarkt, setzte man unverdrossen auf neues Binnenmarkt-Wachstum durch neue Dienstleistungsmärkte und weitere Technologie- und Produkt-Innovationen. Auch wenn man gar nicht konkret angeben konnte, auf welchen konkreten Feldern denn ein solches Wachstum überhaupt realistisch erfolgen könnte. Man glaubte es einfach und vertraute auf den Erfindungsreichtum der Forschung und der Unternehmen. Man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Marktsättigung und ungünstige Import-Export-Verhältnisse den Binnenmarkt strangulieren. Man setzte "Markt" und "Wachstum" per se gleich, so als ob es sich dabei um ein Naturgesetz oder ein unantastbares gesellschaftliches Gebot handelt.

Seither ist nicht der Binnenmarkt-Absatz gewachsen, sondern die Arbeitslosigkeit - mit all den damit verbundenen Finanzierungsproblemen des Staatshaushaltes und der Sozialkassen, die wir aus den täglichen Nachrichten kennen.